Mittwoch, 16. März 2016

Ein Kind ganz anderer Art.

In den letzten Monaten blieb leider wenig Zeit am Ende des Tages übrig, so dass viele Blogbeiträge, die ich schreiben wollte, nur Entwürfe blieben. Es wird aber wieder mehr. Versprochen.

Jetzt könnte man meinen, der Grund für akuten Zeitmangel läge insbesondere bei einem frisch gebackenen Vater auf der Hand - meinem Sohn und dem (zugegebenermaßen im Vergleich zu früher etwas aufregenderem) Familienleben kann ich jedoch nicht die Schuld zuschieben. Der kleine Mann entwickelt sich prächtig, schläft - wenn er nicht gerade krank ist - im Regelfall sogar durch. Leider zieht so ein kleines Kind die Krankheiten an wie das Licht die Motten. Der Grund für die Blogpause war aber tatsächlich ein anderer: Ein weiteres Kindlein wollte das Licht der Welt erblicken - dieses Mal war es aber ein geistiges Kind. Der Redensart nach sagt es sich ja recht einfach, dass man mit einer Idee schwanger geht - von der Idee zum fertigen Buch ist es aber dann doch ein langer Weg, der einige Zeit in Anspruch nimmt.

Irgendwann ist es dann aber da und es ist genau so, wie man es von einer echten Geburt nur behauptet: Sobald man es in den Händen hält, sind alle Mühen und Schmerzen vergessen und man freut sich einfach nur.


Wer sich näher dafür interessiert - Hier geht's direkt zum Buch: Christian Schön: Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur: Epochen - Autoren - Werke (Fachbuch Metzler)

Mittwoch, 22. Juli 2015

Ich gestehe: "Wir haben gepuckt!"

Da der Stern es nicht macht, title ich heute mit: "Wir haben gepuckt!". Zwar scheint dieser Umstand nicht ebenso umstritten wie es 1971 die Abtreibung war. Aber in unserem direkten Umfeld sind wir doch auf große Ablehnung gestoßen, wenn wir in den ersten Monaten erzählten, dass wir unseren Sohn pucken. Unser Sohn liebte es lange Zeit gar nicht einzuschlafen oder für längere Zeit am Stück zu schlafen. Weder für ihn noch für uns eine schöne Situation.

Unser Trost war lange Zeit: fast alle Babys schlafen irgendwie nicht so gerne. Das kann man mehr oder weniger tragisch nehmen. Wir konnten aber feststellen, dass er ausgeschlafen um einiges besser drauf war und fröhlicher, entspannter die Welt entdeckte. Deswegen haben wir diverse Methoden und Tricks entwickelt, um unseren Sohn zum Schlafen zu bringen. Lange Spaziergänge und: wir haben inzwischen sogar einen von diesen Gymnastikbällen. Als ich im Säuglingspflegekurs zum ersten Mal von diesen Dingern gehört habe, dachte ich mir spontan: "So etwas kommt mir sicher nicht ins Haus". Bis ich einmal die geniale Wirkung dieses Teils am eigenen Leib erfahren konnte. Seitdem schwöre ich auf diese Teile.

Davor konnten wir unseren Sohn eben vor allem durch das Pucken zum Einschlafen bringen. Beim Pucken werden vor allem die Arme durch eine Wickeltechnik fest an den Körper gebracht. Dadurch wecken sich Säuglinge nicht ständig selbst durch ihre frühkindlichen Reflexe oder dieses Zucken, das man kurz vor dem Einschlafen hat. Im Grunde handelt es sich um eine sehr alte Technik, um Kinder zur Ruhe zu bringen. Durch das Einwickeln fühlen sich die Kleinen angeblich an den geborgenen Zustand im Mutterleib erinnert und beruhigen sich. 

Als meine Eltern sahen, wie wir ihr Enkelkind zum Schlafen bringen, hatten sie sehr schlimme Befürchtungen. Sie meinten, wir würden dem Kind Gewalt antun und es seiner Freiheit berauben. Erst als sie selbst mal ihr Glück probieren durften, änderte sich langsam ihre Meinung. Dennoch waren sie überglücklich, als ich ihnen erzählen konnte, dass ihr Enkel inzwischen gelernt hat, auf eine andere Weise einzuschlafen. Wobei das Wippen auf dem Gymnastikball von außen betrachtet auch ziemlich brutal aussehen kann...

P.s.: Pucken ist gesellschaftlich aber wohl schon länger umstritten. Wie in der Zeitung zu lesen war, gab es vor kurzem einen zugegebenermaßen extremen Fall, bei dem in einer Kita in Thüringen 2jährige noch gepukt wurden (hier ein interessantes Interview dazu).

Sonntag, 17. Mai 2015

Pflanzenpapa Teil II. Jetzt so richtig.

Seit letzter Woche bin ich Ackerheld. Angestachelt durch meine Erfolge auf dem Balkon, wollte ich höher hinaus. Genau genommen heißt das in meinem Fall: weiter hinaus. Also weiter hinaus aus der Stadt. Denn der Acker, den wir nun gemeinsam mit etwa hundert weiteren Großstädter bewirtschaften, ist, wie der Berliner so sagt, "jwd" - "janz weit draußen". Nach etwas über zehn Jahren in Berlin, habe ich nun endlich die Gelegenheit, regelmäßig bis zum Ende einer S-Bahnlinie zu fahren, um mein Gemüse direkt vom Feld zu ernten. Die Idee hinter dem Projekt ist einfach erklärt. Ein nach strengen ökologischen Vorschriften bewirtschaftetes Feld wird direkt von den Endverbrauchern selbst gepflegt. Anstatt einkaufen zu gehen, geht man direkt auf den Acker. Auf diese Weise bekommt man am eigenen Leibe zu spüren, was es bedeutet sich regional und saisonal zu ernähren.


So ein wenig Klischee ist es ja schon, wie da eine Horde Stadtbewohner auf dem Acker herumstochert und mit Gießkannen die kleinen Setzlinge gießt. Andererseits ist es sehr schön, tatsächlich zu erfahren, wie viel Arbeit in der Erzeugung von Lebensmitteln steckt. Und auch wenn die erste Ernte noch in einiger Ferne liegt, fühlt es sich jetzt schon gut an, in Zukunft sicher zu wissen, wo das täglich Brot herkommen wird und was genau drin ist. Denn außer ab und zu auf den Etiketten der Obst- und Gemüseverpackungen nach der Herkunft zu schauen, bleibt einem als Supermarktbesucher nicht viel übrig. Nach jedem Lebensmittelskandal in der Vergangenheit habe ich Produkte aus diesem oder jenem Land gemieden.

Seit ich wusste, dass ich Vater werde, ist gute Lebensmittelqualität für mich noch mal wichtiger geworden. Da ich gerne koche und gerne gut esse, war ein gewisses Bewusstsein dafür zwar schon länger vorhanden. Im Moment ist unser Sohn zwar nur über Umwege am Essen beteiligt, aber dennoch direkt von eventuell enthaltenen schädlichen Bestandteilen betroffen. Bis er sich selber um seine Bedürfnisse kümmern kann, versuchen wir also unser Bestes. Bleibt nur zu hoffen, dass am Rande der Stadt die Natur nicht durch zu viel Natur bedroht wird. Gleich vor dem Saisonstart wurde unser Feld nachts von einem Reh besucht. Das freute sich ebenfalls sehr über die vielen frischen Setzlinge.

Pflanzenpapa.

Ich glaube, ich bin ein ganz guter Pflanzenpapa. Die Tomatenernte im letzten Jahr war üppig und viele meiner Pflanzen haben den Winter überlebt. Zugegeben, ein paar habe ich absichtlich dem harten Kampf der Evolution ums Überleben ausgesetzt, obwohl ich wusste, dass ihre Chancen nicht besonders groß waren. Mit viel Glück haben die zwei Geranien, die sich letztes Jahr zu mir verirrt haben, nicht überlebt. Angeblich halten sie ja Stechmücken fern, aber auf diesen Service bin ich bereit zu verzichten.

Leider ist unser Sohn ja Frühaufsteher. Sehr pünktlich, so ab halb 6 ist er fit und lässt sich nur mit viel Mühe noch mal zum Schlafen überreden. Meist ist er aber wach und schaut zu, wie ich Kaffee koche und Zeitung lese. Gegen 8 Uhr gewinnt dann die Müdigkeit doch wieder Oberhand und wenn schönes Wetter ist, machen wir einen kleinen Spaziergang. Diesen nutze ich manchmal um Besorgungen zu machen. Wie gestern zum Beispiel. Denn nachdem jetzt das Wetter wieder schön wird und wir mehr Zeit auf dem Balkon verbringen, wollte ich den wieder auf Vordermann bringen. Deswegen führte uns unser Spaziergang zum Baumarkt in die Gartenabteilung.

Früh morgens sind Baumarkt-Mitarbeiter noch besser gelaunt als sonst. Eigentlich wollte ich einen zweiten Bambus für den Balkon haben. Etwas Einfaches also, das trotzdem elegant und schön ist. Da Bambus aber ausverkauft war, habe ich mich für einen japanischen Ahorn entschieden. So einen wollte ich immer schon mal haben. Als ich ihn später auf dem Kinderwagen durch Kreuzberg nachhause fuhr, fiel mir erst die Ähnlichkeit zu einer ganz anderen Pflanze auf. Die verstörten Blicke der Leute machten mich stutzig. Soweit ich weiß, kann man Ahorn aber nicht rauchen. Bzw. rauchen kann man ihn wahrscheinlich schon, aber die Wirkung wird nicht dieselbe wie bei Hanf sein.


Ebenso wie auf die Passanten muss ich auf die Mitarbeiterin in der Pflanzenabteilung keinen besonders vertrauenserweckenden Eindruck gemacht haben. Ich habe sie angesprochen, weil ich keinen Preis auf dem Objekt der Begierde entdecken konnte. Als sie mit dem Preis zurück kam, drückte sie mir die Pflanze auch nicht in die Hand, sondern stellte sie wieder an ihren angestammten Platz zu den anderen zurück. Ich ergriff sie schnell wieder und nutzte die Gelegenheit gleich noch ein paar Pflegetipps abzustauben. Die Baumarkt-Mitarbeiterin wirkte unglücklich als sie merkte, dass ich die Pflanze kaufen wollte. "Also, wenn sie die wirklich haben wollen, müssen sie sie aber auch in einen großen Topf geben und einen passenden Stanort haben." Auf meine Nachfrage, ob ich Kokosfaser-Erde nehmen könne, um einen großen Topf zu befüllen, wurde sie noch unglücklicher. "Auf gar keinen Fall, außer Sie wollen, dass die Pflanze nicht wächst." Das wollte ich natürlich schon. Ihren Tipp Dünger zu kaufen, der aus Kuhhörnern gemacht sei - "Dit stinkt zwar wie Hölle, ist aber das Beste, was Sie für die Pflanze machen können." - habe ich aber dann doch dankend abgelehnt. "Im Winter aber auf jeden Fall entweder an einen gut geschützten Ort tun, auf ein paar Holzbretter stellen und mit Vlies abdecken." Sie hatte sichtlich Angst um das dauerhafte Überleben ihrer Pflanze.

Als ich mich auf den Weg zu Kasse machte, hatte ich insgeheim die Sorge, dass sie mir unauffällig folgt, um mir die Pflanze in einem unbeobachteten Moment wieder wegzunehmen. Ich beschleunigte meinen Schritt und schaute mich auch auf dem Weg nachhause ab und zu noch mal um. Vielleicht war das ja auch der Grund für die seltsamen Blicke der Menschen, die mir begegneten.

Dienstag, 10. März 2015

Schlaf.

Nach einer obligatorischen einmonatigen Kunstpause kommt nun endlich wieder ein Blogeintrag. Dafür kann es kein anderes Thema als den Klassiker geben: Schlaf. Das Kopfkino sieht an dieser Stelle wahrscheinlich automatisch folgerndermaßen aus: Kurze Nächte mit viel Geschrei; ein frisch gebackener Papa läuft tagsüber mit dunklen Ringen unter den Augen wie ein Zombie durch die Gegend - sein einziger Trost: die Kleinen geben einem so viel zurück.
Doch weit gefehlt. Obwohl mein Sohn vor genau zwei Monaten geboren wurde, schlafe ich nach wie vor sehr gut. Klar, mein Typ ist nachts auch nicht so gefragt, wenn der Kleine mal mit Hunger aufwacht. Selbst wenn ich manchmal in dieser Hinsicht gerne helfen wollen würde, geht es leider nicht. Dafür helfe ich an anderer Stelle, damit auch meine Freundin ihr wohlverdientes Pensum Schlaf erhält.

Der eigentliche Grund für die kleine Blogpause waren vielmehr die vielen Besucher, die wir in den letzten Wochen hatten. Klar wollte die ganze Familie den Nachwuchs kennenlernen. Genau genommen sind es ja zwei Familien. Und mehrere Generationen. Sogar die stolze Urgroßmama hat den weiten Weg zu uns auf sich genommen. Dazu kommen noch Freunde und Nachbarn. Besuch ist schön, kostet aber auch viel Zeit. Eine besondere Herausforderung an unser Organisationstalent waren die Besuche auch deshalb, weil wir zeitgleich versuchten, den Rhythmus des Kindes kennenzulernen. Genauer gesagt, starteten wir den Versuch, einen Rhythmus einzuführen.

Am Anfang wollten wir alles ganz "natürlich" machen. Das bedeutete: Stillen und Schlafen nach Bedarf. Diese Herangehensweise hat allerdings ungewünschte Nebenwirkungen. Sein Bedarf nach Schlaf hätte höher sein sollen, als er ausfiel - Konsequenz: Quängeln. Und Stillen nach Bedarf bedeutete für meine Freundin, mehr oder weniger rund um die Uhr parat sein, falls der Bedarf auftaucht. Aus dieser Situation wurden wir von einer lieben Nachbarin errettet. Sie überreichte uns ein Buch, das sich bei ihr bewährt hat und irgendwann überflüssig wurde. Das Buch mit dem wenig gelungenen Cover hat den griffigen Titel "Schlaf gut, mein kleiner Schatz". Was darin vorgeschlagen wird, könnte gut und gerne eine Grundsatzdiskussion nach sich ziehen. Wäre die Frage Frontalunterricht vs. freies Lernen, hieße es: Ade Freiheit.

Freiheit ist in diesem Falle aber eine Frage der Perspektive. Feste Essens- und Schlafenszeiten bringen uns nämlich viel Freiheit und unserem Sohn genügend Schlaf und regelmäßige Essenszeiten. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen, da nicht das ganze Leben in diesen Rhythmus passt. Dennoch stellt das System einen großen Gewinn an Handlungsspielraum und Planbarkeit für uns dar. Luft nach oben gibt es aber noch.

Schlafen zählte aber nach wie vor nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen unseres Sohnes. Schließlich gibt es so viel Neues zu entdecken. Aktuell spannend: Hände und die Erkenntnis: zwei gehören ihm selbst! Dagegen ist Schlafen doch ziemlich langweilig. Letztens hat meine Freundin dann etwas bestellt, was uns bzw. unserem Sohn helfen sollte. Erst dachte ich, mit unserer Beziehung stimmt etwas nicht mehr. Gott sei Dank hatte ich mich getäuscht. Aber auch auf den zweiten Blick darf man sich fragen, was genau sich die Abteilung für Produkt Design bei der Arbeit dachte...


 

Viele werden es erraten haben - es handelt sich um einen Kinderwagenrüttler. Wahlweise rüttelt das Gerät auch an allem anderen. Vor wenigen Wochen noch hätte ich Geräte wie dieses kategorisch abgelehnt. Aber ich gebe es zu: das Teil ist schon ziemlich genial. Es macht zwar nicht viel mehr als rütteln, aber das genügt hin und wieder völlig aus. Wenn wir gerade mal keine Zeit für einen zweistündigen Spaziergang haben, lässt sich der beruhigende Effekt eines ruckelnden Kinderwagens einfach simulieren.

Eine kleine Randnotiz: Die Bedienungsanleitung weist ausdrücklich darauf hin, dass der Rüttler nicht wasserdicht ist und führt eine ganze Reihe von Reinigungshinweisen auf. Wahrscheinlich haben viele Leute versucht, den Kinderwagenrüttler draußen zu benutzen. Bei Regen. Das geht natürlich nicht.

Samstag, 31. Januar 2015

Buchtipp für Neugeborene. L'art des bébés.

Eine Woche nach seiner Geburt habe ich meinem Sohn sein erstes Buch geschenkt. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen bin ich selbst ein Buch-Mensch. Daher würde ich mich natürlich freuen, wenn die Leidenschaft auf meinen Sohn überspringt. Und früh übt sich bekanntlicher Weise. Der andere Grund ist, dass wir das Gefühl haben, dass unser Sohn sehr gerne "schaut". Gut, viel mehr kann er im Moment auch noch nicht. Neben der basalen Fähigkeit zur Verstoffwechselung, versteht sich. Oft liegt er still da und schaut ganz interessiert in die Welt. Diesen ersten Charakterzug wollten wir bestärken. Irgendwo tief vergraben hatte ich so ein verschüttetes Halbwissen, dass es in Frankreich einen Bestseller für Babys bzw. Neugeborene gibt. Nach einer halben Stunde googlen hatte ich es raus: "L'art des bébés". Es sind nur eine handvoll Seiten mit sehr simplen schwarz-weiß Zeichnungen. Mir gefallen sie ehrlich gesagt nicht, aber Babys stehen aus irgendwelchen Gründen total drauf.  


Neben ein paar geometrischen Formen finden sich darin Gesichter und schematische Babydarstellungen. Was Neugeborene besonders in letzterem zu erkennen imstande sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute, nicht allzu viel. Die Fähigkeit, Symbole zu verstehen und zu deuten, wird ja erst sehr viel später entwickelt. Das Entscheidende für mich ist aber, dass es funktioniert. Wenn wir nun gemütlich morgens mit Kaffee im Bett die Wochenendzeitung lesen, "liest" unser Sohn in seinem Buch. Da er die Bilder sehr intensiv studiert, bleibt uns genügend Zeit selbst zu schmökern und unserem morgendlichen Ritual zu frönen. 

Sonntag, 25. Januar 2015

Windeln und Michel Houellebecq. Das Wochenbett.

Meine Freundin hat während der Schwangerschaft sehr viele Mama- beziehungsweise Eltern-Blogs gelesen. Wir wussten also bestens Bescheid, was auf uns zukommt. Dachten wir. Erfahrungen lassen sich jedoch nicht so einfach verallgemeinern, auch wenn viele einander sehr ähneln. Hinzu kam die unheilschwangeren Andeutungen von anderen jungen Eltern, dass nichts mehr so sein würde wie früher. Zwar ist vieles neu, aber bestimmte Dinge sind doch schon auch wie früher. Folgendes hätte mir aber unter keinen Umständen passieren dürfen und schon überhaupt nicht während des Wochenbetts: Auf der Seite Drei in der Süddeutschen letzte Woche Mittwoch las ich einen kongenialen Artikel von Axel Rühle über den Auftritt Michel Houellebecqs anlässlich seines neuen Romans "Unterwerfung". Es ging um die Angst vor dem Islam und die Zusammenhänge zwischen dem Erscheinen des Buches und den jüngsten Ereignissen in Frankreich. Vor allem aber ging es um den Schriftsteller und sein unterhaltsames Buch. Je mehr ich las, desto mehr bekam ich Lust den Roman zu lesen. Ich ging also los, kaufte ihn und las ihn. Einfach so. Gut, ich habe drei Abende gebraucht, obwohl er nicht besonders umfangreich ist. Aber immerhin. Und es hat sich gelohnt. Auch wenn es nicht Houellebecqs bestes Buch ist - das ist meines Erachtens nach wie vor "Karte und Gebiet", auch wenn es zugleich sein untypischstes Buch ist - aber lesenswert ist "Unterwerfung" auf alle Fälle. Wenn man den Roman gelesen hat, versteht man die Aufregung um ihn nicht mehr so richtig. Der Islam kommt im Buch sogar sehr gut weg und die Beschäftigung damit steht nicht mal im Zentrum der Geschichte.

Dabei will ich das Wochenbett gar nicht herunterspielen. Es ist auch nicht so, als wäre sonst nichts zu tun gewesen. Ganz im Gegenteil. Es war sogar eine ganze Menge los. Angefangen vom Fieber bei meiner Freundin wegen eines kleinen Milchstaus, dem ersten Besuch der Familie, diversen Einkäufen, den ersten verpflichtenden Amtsgängen - genau genommen musste ich nur zum Standesamt. Dort war ich aber gleich drei Mal. Nach der Auffassung der Beamtin sahen unsere eigenen Geburtsurkunden nicht so ganz nach Original aus. Das könne inzwischen jeder fälschen - und nicht zuletzt prägten die ersten Tage viele Windeln. Ja, Windeln. Genauer gesagt, Plastikwindeln. Mein erster Versuch, Stoffwindeln zu benutzen ging gehörig schief. Das Timing war vielleicht nicht ideal. Der Rest der Nabelschnur war noch dran und gerade dabei abzufallen. Ich dachte, dass Stoffwindeln bei dem Prozess sicher nicht schaden können. Mein Sohn schrie aber wie am Spieß, als ich ihn in die diversen Lagen Mull verpackt habe. Doch so schnell gebe ich noch nicht auf. Inzwischen sieht der Nabel ganz gut aus und ich bin bereit für den nächsten Versuch. Außer ich nutze die Zeit gerade, das nächste Buch zu lesen, das ich mir bei der Gelegenheit im Buchladen gleich besorgt habe.